Das Kreuz mit den Altlasten

Verunreinigungen des Bodens machen bis heute zu schaffen

Schmutzige militärische Hinterlassenschaften der US Army sind und bleiben beim Zweckverband Eichwald ein komplexes, unliebsames, wenn auch nicht dramatisches Thema. Gemeint ist insbesondere die Unterwelt: Kontaminiertes Material unter der Grasnarbe ist ein Problem für die Seepfadquelle und anderes mehr. Das Kreuz mit den Altlasten.

April 1997. Relikte aus der ehemaligen militärischen Nutzung: Fundament eines Dieseltanks.
Foto: Sachsenheimer Zeitung / Martin Kalb

Wie man sich denken kann, hatten die neuen Verantwortlichen am Eichwald nach dem Auszug der Militärs alle Hände voll zu tun, um allein die oberirdischen Relikte beseitigen zu lassen, die Uniformierte hier der Nachwelt bescherten. War die Entrümpelung und Demontage von Gebäuden und Einrichtungen wie Unterkünfte, Garagen, Heizöl- und Treibstofftanks, Fasslager, die Raketenabschussbasis oder wilder Müll wie zum Beispiel allein 150 (private) Autoreifen ab Oktober 1994 noch eher eine Standard-Aufgabe, so wurde das Gefährdungspotenzial schon erheblich heikler, als es auch eine Bombe zu entschärfen galt. Das Kniffligste bleibt aber der punktuell belastete Boden.
Der einstige Geländebesitzer Bundesrepublik Deutschland wusste beim Verkauf der 174 Hektar an den Zweckverband sehr wohl um die Altlasten. Dennoch bedurfte es im Jahr 1993 zähester und konsequentester Verhandlungen vor allem durch Sachsenheims Bürgermeister Andreas Stein, bis sich der Bund endlich bereit erklärte, die Kosten für die Altlastenbeseitigung (übrigens auch der Manöverschäden durch die Amerikaner) zu übernehmen. Diese waren seinerzeit immerhin auf drei bis vier Millionen Mark geschätzt worden. Die Summe verringerte sich allerdings im Laufe der Jahre. Allein die Untersuchungen bis 2004, weiß der langjährige Geschäftsführer Gerhard Müller, kosteten aber sechsstellige Beträge. Seit 2004 rechnete der nunmehr zuständige Zweckverband insgesamt 1 050 000 Euro für derlei Aufgaben gegen.

Was galt und gilt es nun so alles zu beseitigen? Zu den eingangs erwähnten Baulichkeiten waren es neben haufenweisem Schrott auch Granaten, Granatensplitter, das heißt letztlich Munition, Gewehre, Patronen und anderes Kriegszeugs, die den Boden (vor allem bei den ehemaligen Flakstellungen) übersäten. Nichts Spektakuläres, nichts Scharfes – bis Anfang Mai 2005 eine 250 Kilogramm schwere englische Fliegerbombe an einer Baustelle an der Umgehungsstraße südlich von Sersheim gefunden wurde. Weil der Kampfmittelbeseitigungsdienst den Sprengstoffkörper aus dem Zweiten Weltkrieg noch am Fundort sprengte, mussten annähernd 800 Anrainer evakuiert werden. Ein richtiger Ernstfall, der aber gut ausging.

Ein Problemfall ist die Grundwasserverunreinigung bzw.- gefährdung besonders im ehemaligen Nike-Raketen-Abschussbereich und bei der einstigen Radarstation. Nach den Bohrungsergebnissen (174 Kleinbohrungen; 34 Grundwasser- und Sickerwassermessstellen und 13 Sanierungsbrunnen) aus bis zu 18 Metern Tiefe gibt es hier "leicht halogenierte Kohlenwasserstoffe" (LHKW), die zum Beispiel Kaltreiniger enthalten, die es zu Kriegszeiten noch nicht gab. Und solche LHKW sind auch bei der Seepfadquelle aufgetaucht. Grund genug, diese Quelle seit Ende der 1980er-Jahre bis heute von der Trinkwasserversorgung abzukoppeln.

Aromatische Kohlenwasserstoffe (AKW) fand man dagegen auch im früheren Raketen-Abschussbereich und an der einstigen Tankstelle der US Army.
Die festgestellten Verunreinigungen im Boden des derzeitigen Gewerbeparks wurden - mit hohem Kostenauswand - nahezu vollständig abgetragen und nach entsprechender Beprobung ordnungsgemäß entsorgt.
Die Grundwasser-Reinigungsmaßnahmen bei der ehemaligen Radarstation laufen demnach noch weiter. Seit 2000 sind, versichert der Zweckverbands-Experte, 18,7 Kilogramm LHKW aus dem Grundwasser entsorgt worden.
Was die Seepfadquelle anbelangt, verbesserten sich zwar die Werte, aber das Ganze ist noch nicht dermaßen unbedenklich, dass man die Quelle wieder der Trinkwasserversorgung zuführen könnte. "Wir sind insgesamt auf einem sehr guten Weg, aber noch nicht fertig", zieht der ZVE eine Zwischenbilanz.