Wie alles begann…

Leitgedanke zur Gründung des Zweckverbandes: Verkehrsentlastungsoption sichern

Weitsicht – auf diesen Nenner lassen sich die Attribute bündeln, derer sich heute die damals Verantwortlichen durchaus ein wenig rühmen dürften. Der Blick übern eigenen Flecken hinweg zur Gründung des Zweckverbandes am 10. Juni 1994 hat sich für Sachsenheim, Sersheim und Oberriexingen bezahlt gemacht. Und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Zunächst zum Ausgangspunkt. Der Bundesrepublik Deutschland gehörte im Raum Eichwald ein 174 Hektar großes Gelände, das in relativ kleinen Segmenten von 1935 bis 1944 von Nazi-Deutschlands Reichsluftwaffe als Fliegerhorst, danach und zuletzt von der US Army als Raketenabschussbasis militärisch genutzt wurde. Die Rede ist von rund 17 Hektar. Der Rest der riesigen Fläche war an die örtliche Landwirtschaft verpachtet, die ehemalige Landebahn wurde Brachland. Anfang der 1970er-Jahre ließ sich vor Ort der Windhund-Rennsportverein Solitude nieder. Und nachdem sich die politische Lage in Europa entspannte, zogen auch die Amerikaner vom Eichwald ab.

Für die Anrainer Großsachsenheim, Sersheim und Oberriexingen bot sich somit eine einmalige Chance, das Gesamtareal zu erwerben. (Andreas Stein, damaliger Bürgermeister von Sachsenheim und späterer Zweckverbandsvorsitzender: „Für mich ging mit dieser Nachricht ein Traum in Erfüllung. Vor allem, weil hier noch vor wenigen Jahren ein Nato-Depot mit 20 fußballfeldgroßen Hallen gebaut werden sollte.“) Die schon Anfang der 1950er-Jahre aufgekommene vorausschauende Intension dabei: Flächen für eine denkbare Umgehungsstraße vertraglich freizuhalten. Schon seinerzeit hatte man in den Kernen Verkehrsprobleme, die zum Hemmschuh für die Ortsentwicklungen wurden. Die prognostizierten exorbitanten Straßenverkehrssteigerungsraten setzten noch eins drauf. Also wurde man um 1990 beim Bund vorstellig. Und als weder Bund noch irgendwelche anderen Behörden, Landesverbände oder Einrichtungen wie etwa das THW selbst Bedarf bekundeten, machten sich die Bürgermeister Andreas Stein, Jürgen Scholz und Willi Baur auch schon nach Bonn zu Kaufverhandlungen auf. Eine Phase, in der es Externen vorschwebte, am Eichwald unter anderem eine Müllverbrennungsanlage, eine Daimler-Versuchsstrecke, Reitanlagen, Bosch-Liegenschaften oder zum Beispiel einen Golfplatz zu platzieren. Nicht zu vergessen: Auch der Wunsch nach Wiederaufforstung war deutlich zu hören.

Alsbald merkten die genannten drei Rathauschefs bei ihren jeweils separaten Exkursionen an den Rhein allerdings, wie sich auch der spätere Zweckverbands-Geschäftsführer Gerhard Müller noch sehr wohl erinnert, dass die Verhandlungen mit der Bundesvermögensverwaltung „nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig“ verliefen. Diese Erkenntnis, die Feststellung, vereint eine stärkere Position in den Verhandlungen zu haben und die finanziellen Vorteile eines gemeinsamen Kaufes führten schließlich zum interkommunalen Bündnis. Der Gedanke an einen Zweckverband als Körperschaft des öffentlichen Rechts war geboren.

Dessen Vorstufe war erreicht, nachdem auch die Hürde Nachzahlungsverpflichtung übersprungen war: Der Bund hatte sich nämlich ausbedungen, den Zweckverband zu Nachzahlungen zu verdonnern, sollte dieser innerhalb der nächsten 18 Jahre das Ackerland für gewerbliche Zwecke veredeln wollen. In der Tat musste diese Interessensgemeinschaft 2004, zum Start des ersten, 52 Hektar großen Bauabschnitts, dann auch sechs Millionen DM beziehungsweise drei Millionen Euro nachzahlen. Die Flächen-Anteile, um die es seinerzeit ging: Sersheim und Oberriexingen jeweils 31 Hektar, Sachsenheim 112 Hektar. Der Kaufpreis in Summe betrug zunächst, also ohne die Nachzahlung, 12,140 Millionen DM.

Nach dem Kauf des 174 Hektar großen Geländes mit den Fluren „Eichwald“, „Krähwinkel“, „Merzental“, „Hart“, „Täfele“ und „Lohenstein“ formulierte der am 10. Juni 1994 offiziell gegründete Zweckverband Eichwald eine Satzung, in der vorrangig die „Durchführung und Realisierung von Verkehrsplanungen zur Entlastung der Ortskerne der Verbandskommunen“ fixiert ist, ferner die Beseitigung der Altlasten. Klartext: Der Straßenverkehr war eigentlicher Auslöser für den Zweckverband.

Erst später, insbesondere, als die kommunalen Macher zusammen mit Verkehrsminister Hermann Schaufler und dem Landkreis das finanzielle und bauliche Bravourstück mit Finanzierung und Realisierung der Umgehungsstraße gemeistert hatten, entwickelten sich dynamisch andere Ziele: Der Fokus wechselte nun ganz konkret von der Umgehungsstraße auf einen Gewerbepark Eichwald. Endlich also zivile Nutzung. Ein Thema, das weise Männer aber schon seit Jahrzehnten explizit im Hinterkopf führten.

Wurden die Hoffnungen dieses Zweckverbandes erfüllt? Für Müller, 18 Jahre lang Geschäftsführer, „Motor“ und Aktivposten, ist das überhaupt keine Frage. „Die damaligen Erwartungen, was Aufsiedelung und Geschwindigkeit anbelangt, wurden sogar übertroffen. Es wurden zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen gefällt!“ Eine Bestätigung dafür, dass vor 20 Jahren eine Jahrhundertchance rasch erkannt und dann klug genutzt worden war.

Unterzeichnung der Verbandssatzung durch die Bürgermeister der Gründungskommunen.
(Willy Baur, Oberriexingen, Andreas Stein, Sachsenheim, Jürgen Scholz, Sersheim)

„High noon“ am Eichwald

Exakt um 12 Uhr gaben Andreas Stein, Willi Baur und Jürgen Scholz am 10. Juni 1994, nach jeweils einstimmigem Gemeinderats-Votum, „grünes Licht“ für die Fahrt ins nächste Jahrtausend. Trotz Schafskälte und Nieselregens hatten es sich die drei Bürgermeister nicht nehmen lassen, ihre Unterschriften unter das historische Vertragswerk zur Bildung des Zweckverbandes Eichwald unter freiem Himmel vor der wenig imposanten Kulisse hinterlassener US Army-Liegenschaften zu setzen. In der abbruchreifen Montagehalle der einstigen „GI’s“ wurde auf kornblumengeschmückten Tischen Leckeres für den Gaumen kredenzt, draußen wehten Flaggen und Fahnen. Für Landrat Dr. Ulrich Hartmann „eine skurille Inszenierung“, wie in diversen Medien nachzulesen ist.
Dies hinderte ihn und eine Reihe weiterer Redner allerdings nicht daran, das Erreichte zu würdigen. Insbesondere, dass man dies trotz des „Bonner Verwaltungsdickichts“, in dem „einige Festungen der Bürokratie geschleift werden mussten“, geschafft habe. Andere sprachen von „denkwürdigem, großem Ereignis“, „guter Tat“ und davon, dass man in den drei Kommunen stolz darauf sein könne, über die eigenen Kirchtürme hinweg gesehen zu haben.