Der Gewerbepark boomt

Interview mit dem Vorsitzenden des Zweckverbandes Eichwald Horst Fiedler

Der Bürgermeister von Sachsenheim, Horst Fiedler, ist auch gleichzeitig Vorsitzender des Zweckverbands Eichwald, den er, als Nachfolger von Andreas Stein, seit 2003 leitet. Zum Jubiläum dieser überregional bedeutenden kommunalen Gemeinschaft ein Interview mit ihm:

Herr Fiedler, 20 Jahre Zweckverband, zehn Jahre auch mit Bietigheim-Bissingen: Ein Grund zu feiern?

Aber sicher! Für uns und die anderen Mitgliedskommunen ist der Zweckverband Eichwald als interkommunales Gewerbegebiet ein echter Glücksfall. Auch Bietigheim-Bissingen, das ja auch noch an anderen Zweckverbänden beteiligt ist, weiß die Vorzüge und die Qualität des ZVE zu schätzen und teilt diese Ansicht. Die Räte in allen Verbandskommunen arbeiten konstruktiv zusammen zum Wohle aller.
Die Bürgerinnen und Bürger profitieren von den Arbeitsplätzen und die Stadt insgesamt von den Steuereinnahmen und vom guten Ruf, den ihr dieser Zweckverband und das Gewerbegebiet mit seinen hochkarätigen Firmen bringt.

Als Sie Ihr Amt als Verbandschef antraten, war dieses Haus bereits gut bestellt. Sehen Sie das auch so, wenn ja, wer hatte daran wesentlichen Anteil?

Es waren wesentliche Weichen gestellt. Den Hauptanteil daran haben die damaligen Verantwortlichen, die Bürgermeister: mein Amtsvorgänger Andreas Stein, Willi Baur aus Oberriexingen und Jürgen Scholz aus Sersheim haben sich für das Projekt sehr stark eingebracht. Es gab viele Beteiligte, nicht nur auf kommunaler Ebene, die zum Gelingen beigetragen haben. Natürlich darf man auch nicht außer Acht lassen, dass in den Anfängen der Eiserne Vorhang langsam bröckelte und auch ein Umdenken in den Köpfen der Politiker und der Bevölkerung einsetzte. Sonst wäre die Aufgabe des Militärgeländes insgesamt nicht möglich gewesen.

Inzwischen konnte der Gewerbepark mit Power und Kompetenz weiter vorangebracht und unter anderen mit namhaften Unternehmen wie Porsche, Winkels oder zum Beispiel Jungheinrich aufgewertet werden. In politischen Gremien beziehungsweise in Verwaltungskreisen ist jedenfalls gerne von „Erfolgsstory“ die Rede. Teilen Sie diese Ansicht?

Ja, aber wir sind noch nicht am Ziel angekommen. Wir haben noch 4300 Quadratmeter im kleinteiligen Bereich und nach der Erweiterung soll es ja auf der anderen Seite weitergehen. Natürlich sind wir stolz darauf, so große Namen hier zu haben. Aber auch die kleineren und mittleren Firmen sind uns herzlich willkommen.

In der Bevölkerung brodelt es hier und da: Ein immenser Flächenverlust nur für die jetzige Generation wird angeprangert und in diesem Zusammenhang auch die beabsichtigte Süderweiterung. Dazu kommen Vorwürfe, dass die Firmen hier primär Logistik, also gigantische Lagerhallen mit wenigen Arbeitsplätzen, unterbrächten, während gleichzeitig das Gewerbesteuer-Aufkommen aus dem Park dürftig sei und dem Bürger vor Ort keine spürbaren Verbesserungen bringe. Nehmen Sie diese Vorwürfe ernst, sind sie zutreffend beziehungsweise wie begegnen Sie ihnen?

Das Thema Flächenverbrauch ist derzeit in aller Munde. Tatsächlich ist es so, dass diese Flächen zwar einer anderen Nutzung zugeführt werden, aber keinesfalls verschwunden sind. Sie werden weiterhin einer wirtschaftlichen Nutzung zugeführt, nur eben nicht mehr im Agrarbereich.
Als Vorsitzender des Zweckverbandes bin ich gemäß Satzung damit beauftragt, Gewerbe anzusiedeln. Das tue ich – gemeinsam mit den Zweckverbandskommunen und deren Bürgermeistern – mit Bedacht und eben in Hinblick auf die nachfolgenden Generationen. Die Nachfrage nach Gewerbeflächen, auch das Interesse an kleineren Einheiten, ist hoch. Wir können diese weder für bereits in den Verbandskommunen ansässige, noch für Firmen von außerhalb befriedigen. Diese würden sich also weg orientieren. Die im Eichwald ansässigen Firmen sind übrigens fast alle aus den Zweckverbandskommunen hierher übergesiedelt. Wir würden also nicht nur wertvolle Firmen verlieren, sondern auch Bürger, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Die großen Flächen im Eichwald sind für Firmen wie Porsche oder Winkels geschaffen worden, die viel Platz benötigen. Auch Logistikbetriebe bringen zahlreiche Arbeitsplätze. Die Waren müssen sortiert, konfektioniert und wieder versandt werden. Daneben haben Winkels und Jungheinrich hier ihre Verwaltungsgebäude errichtet.

Mit der Design Factory, der Bäckerei Kutterer, der Zimmerei Pfeiffer, dem Gürtelhersteller Götz, der Firma SLB, die Industriekühler herstellt, und FAW Hardware Solution haben wir produzierendem Gewerbe und Handwerk eine Heimat gegeben.

Worin liegen die größten Vorteile des gemeinsamen Gewerbeparks für die Verbandskommunen?

In erster Linie können wir den Menschen durch den Gewerbepark Arbeitsplätze vor Ort anbieten. Es entfallen weite Wege zum Pendeln. Sachsenheim und auch die Verbandskommunen werden als Ort zum Wohnen und Arbeiten noch attraktiver. Durch die Konzentration entfallen viele kleinteilige Gewerbeflächen in den einzelnen Kommunen und damit wird einer Zersiedelung der Landschaft entgegen gewirkt.

Auch die Einnahmen aus Grund- und Gewerbesteuer spielen natürlich eine Rolle. Alle Mitgliedskommunen erhalten aus den bereinigten Steuereinnahmen die in der Verbandssatzung vereinbarte prozentuale Quote. Man muss daneben bedenken, dass gekoppelt an die Steuereinnahmen auch die Ausgaben für den Kommunalen Finanzausgleich und die Kreisumlage variieren.

Herr Fiedler, wie sehen Sie die kurz-, mittel- und langfristigen Perspektiven des Verbands? Gibt es Nachfragen? Bedarf es der Süderweiterung auf alle Fälle? Gibt es Visionen, klare Ziele?

Der Gewerbepark boomt, im Nordteil steht nur ein Grundstück zur Vermarktung zur Verfügung. Die Nachfrage nach Grundstücken im gesamten Landkreis und auch innerhalb des Zweckverbandes Eichwald ist hoch und wir wollen diese mit der Süderweiterung befriedigen. In einem ersten Schritt ist eine weitere Erschließung von rund 28 Hektar geplant.

Wie steht es um das Miteinander im Verband und dessen Führungsgremium? Passt der Schulterschluss der vier Kommunen in jeder Beziehung?

Vier Kommunen bedeuten vier verschiedene Interessenslagen. Zum Glück haben die Begründer des Verbandes seinerzeit das Projekt erst gestartet, nachdem ein wirklich großer gemeinsamer Nenner gefunden war. Diese gemeinsamen, zielgerichteten Interessen machen die Zusammenarbeit und die Konsensfindung einfach. In regelmäßigen Gesprächsrunden mit den Verbandsbürgermeistern werden alle Sachthemen erörtert und wichtige Entscheidungen zumeist einvernehmlich vorbereitet. Hauptgewinner ist die Verbandsversammlung. Die vier Kommunen ergänzen sich hervorragend in ihren Möglichkeiten und Erfahrungen.