Der Naturschutz – kein Mauerblümchen

Der Zweckverband schafft Ausgleichsmaßnahmen und anderes mehr

Laut Landesnaturschutzverband werden im „Ländle“ nach wie vor täglich sieben Hektar überbaut. Nach wie vor sind somit der Flächenverbrauch und der Umgang mit der Natur landauf, landab auch Reizthemen geblieben. Der Zweckverband Eichwald hat sich frühzeitig mit der Problematik befasst und kann heute mit Fug und Recht feststellen, dem Naturschutz seinen im gebührenden Rang eingeräumt zu haben.

Idylle pur. Das Biotop am westlichen Fuße des „Porsche-Hügels“: Heimat für Fauna und Flora. Foto: Walter Christ

„Es bleibt zunächst festzuhalten, dass es sich beim Zweckverbandsgelände um ein ehemals militärisch genutztes, also geschädigtes Areal handelt, eine so genannte Konversionsfläche, die nicht unbedingt mit einer freien Landschaft zu vergleichen ist. Zum anderen hat der Zweckverband ausreichend, ja, sogar mehr als gefordert wurde, getan“, erinnert der frühere Verbandsgeschäftsführer an die Umsiedlung vorgefundener geschützter Arten, an die Schaffung neuen Lebensraumes und auch an eine Reihe von Ausgleichsmaßnahmen, um naturschutzfachliche Eingriffe in Schutzgüter zu kompensieren.

Konkret gemeint sind damit zum Beispiel zwei am westlichen Ende der ehemaligen Landebahn angelegte Laichtümpel für Wechselkröten, das Einfangen und Umsiedeln von Zauneidechsen an die Südböschung des Modellierungshügels und das Anlegen von acht Feldlerchen-Fenstern südlich der Umgehungsstraße nahe des Regenüberlaufbeckens. Es wurden mit Rücksicht auf die Natur und speziell Steinkäuze bauliche Beschränkungen zugunsten von Grünstreifen angeordnet und darüber hinaus – ohne gesetzliche Verpflichtungen – am Fuße der westlichen Böschung des Modellierungshügels ein sehr schöner und von Flora und Fauna inzwischen auch sehr gut angenommener Teich angelegt.

Junge Wechselkröte im Tümpel westlich der Landebahn. Foto: Alois Danner

Zu den Projekten im Bereich des Natur- und Artenschutzes zählen aber auch die Maßnahmen zum Ausgleich der Eingriffe in Natur und Landschaft (Ausgleichsmaßnahmen). So hat man sich wegen des Gewerbeparkes verpflichtet, rund 250 000 Euro für anderweitigen Ausgleich zur Verfügung zu stellen. Etwa die Hälfte dieses Betrages floss in die Aufwertung des auf Oberriexinger Markung gelegenen Naturdenkmals „Hagelwörth“. Die andere Hälfte wird in die aktuelle Sanierung von Weinbergmauern im Sachsenheimer Stadtteil Häfnerhaslach investiert. Eine Aktion übrigens auch mit sozialer Relevanz: Langzeitarbeitslose finden hier sinnvolle Beschäftigung.

Ausschließlich im Zusammenhang mit der neuen Umgehungsstraße wurden neben kleineren Maßnahmen wie der Aufbau von stufigen Waldrändern auch bedeutende Aktionen wie die Renaturierung der Waldlichtungen „Sulz“ auf Sersheimer Markung gemacht. Derzeit stehen Aufforstungen im Sersheimer Gebiet „Hummelberg“ als Ersatz in Sachen Aischbachwald an, ebenso die Verbesserung der Durchgängigkeit des Kirbachs an den drei Wehren Bromberger Mühle, Hengstberger Mühle und Rechentshof. Allein hierfür, neue Fischtreppen inklusive, werden 400 000 Euro aufgewendet. Alle diese Maßnahmen sind Bestandteil der Bebauungspläne und entsprechen somit geltendem Recht, an dessen Umsetzung nicht zuletzt auch die beim Landratsamt Ludwigsburg angesiedelte Untere Naturschutz-Behörde beteiligt ist. Von ihr werden die Aktivitäten und die Entwicklung auch kontinuierlich beobachtet ( „Monitoring“).

Wie man sieht, hat der Zweckverband die Be-lange des Natur- und Artenschutzes durch-aus intensiv und mit hohem Kostenaufwand berücksichtigt. Allerdings wird das Thema Natur- und Artenschutz immer komplexer, immer schwieriger“. Damit spricht der Verband bezüglich des Ökosystems gleich eine weitere Herausforderung aller Beteiligten an, da Ausgleich auch Fläche braucht.

Dazu muss man auch wissen, dass im Blick auf die angestrebte Süderweiterung des Gewerbeparks 80 000 Euro in Gutachten fließen sollen, um über diese Expertise u.a. Ersatz-Habitate für acht Brutpaare Feldlerchen und deren Artgenossen zu suchen und diese dann über entsprechende (von der örtlichen Landwirtschaft freilich vehement abgelehnte) Maßnahmen wie Entsiegelung von Feldwegen, auf Stock legen von Pflanzen oder Nutzung/Bildung von Brachen zu schaffen. Während Umweltbericht und beispielsweise artenschutzrechtliche Untersuchungen im Preis inbegriffen sind, kommen die Kosten für die Umsetzung dieser Maßnahmen kämen/kommen noch dazu. Folgte der Zweckverband diesen Forderun-gen des Landratsamtes nicht, so gäbe es auch keine Süderweiterung – heißt es aus dem Kreishaus.

Im Süden des Zweckverbandsgeländes haben Regenüberlaufbecken längst Biotop-Charakter. Foto: Walter Christ

Ein imposanter Beitrag zum Naturschutz: Die neuen biotopischen Regenüberlaufbecken im Nordosten des Zweckverbandsgeländes. Foto: Walter Christ