Walliser Ziegen erobern Bunkerwall

Der exponierte „Porsche-Hügel“ und seine Bedeutung für Sicherheit und Natur

Berge werden weltweit abgetragen – im „Krähwinkel“ ging es gerade andersrum: Hier wurde ein riesiger Hügel künstlich aufgeschüttet. Wegen seiner Nähe zum Nobelautobauer, der dem Berg sein Logistikzentrum quasi zu Füßen legte, von der Bevölkerung schlicht mit „Porsche-Hügel“ tituliert. Wo einst Bunker für die US-Raketen-Basis genutzt wurden, grasen heute blitzgescheite Walliser Bergziegen. Die erobern die einstige Militärfläche fressend gern.

Der so genannte „Porsche Hügel“. Die ehemalige US-Raketen-Abschuss-Stellung wurde an dieser Stelle überschüttet. Foto: Walter Christ

Die Entstehung des über dem Gelände rund 18 Meter hohen, circa 220 Meter (Ost/West) breiten und etwa 300 Meter (Nord/Süd) langen Buckels im Nordwesten des Zweckverbandsgeländes, anfänglich „Schultes-Hügel“, „Schildkröte“ oder auch „Flitzer-Buckel“ genannt, basiert zunächst auf Sicherheitsaspekten. Bekanntlich gab es hier die Nike-Stellung der US Army mit drei Raketen-Abschussbasen. Dieser betonierte und asphaltierte Feuerleitbereich war im Boden eingebuddelt, mit kleinen Bunkern, Wällen, Notstromaggregaten und Tanks versehen. Da nach der Ausmusterung die Beseitigung dieser Befestigungen immens kostenaufwändig gewesen wäre – die Rede war von bis zu einer Million Mark allein hierfür –, verpflichtete sich 1994 der damalige Noch-Besitzer Bund per Kaufvertrag, die Hochbauten und die für die Bevölkerung wegen ihrer problemlosen Zugänglichkeit und der Gefahren der Grundwasserverunreinigung nicht harmlosen Bunker samt Zubehör zu überschütten. Von einer Dimension von rund sechs Hektar war dabei die Rede.

"Porschehügel" Foto: Walter Christ

Ein günstiger Umstand in Sersheim brachte auch gleich Erdmaterial für diesen Zweck. Um die AKW-Gefahrenquellen auch wirklich weitestgehend zu reduzieren, entschlossen sich die neuen Nutzer, den kleinen Hügel großzügiger zu gestalten. Also landeten hier alsbald große Mengen an unbelastetem Aushub aus dem gesamten Landkreis. Unter anderem von der Großbaustelle Ikea (Tammerfeld) oder von den gewaltigen Baustellen der Firmen Winkels und Porsche vor Ort. „Die Überlegungen waren damals zweckmäßig: Warum tausende von Lkw‘s mit Erdreich umweltschädlich durch den halben Landkreis zu ohnehin stark frequentierten Deponien karren, wenn man hier vor der Haustüre doch einen prima Verwendungszweck hat?“, begründet der Verband die einstigen Gedankengänge, die freilich auch kritische Stimmen des örtlichen Naturschutzbundes hervorriefen.
Jedenfalls ging es mit dem Modellierungshügel in der Zeit von 2004 bis 2011 Meter um Meter bergauf. Der Fantasie bezüglich der Nutzung waren kaum Grenzen gesetzt: Die Spannbreite reichte von Aussichtsplattform mit Turm und „alpinem“ Pflanzenmustergarten über Rodelbahn, BMX-Piste und Modellflugplatz bis hin zur (illegalen) Moto-Cross-Arena. Noch heute träumt es dem früheren Verbandsgeschäftsführer von einer gastronomischen Option wie etwa einem Hotel mit tollem Weilblick...

Modellierungshügel Foto: Walter Christ

Landschaftspfleger auf dem Modellierungshügel

Die Stiftung „EuroNatur“ konzipierte schließlich landschaftsökologische Gestaltungs- beziehungsweise Nutzungsvorschläge, die in Abstimmung auch mit dem Naturschutz umgesetzt wurden. Das heißt, der Hügel wurde von Mitarbeitern der Bauhöfe und von Landwirten insbesondere aus Sersheim und Sachsenheim und von Schüler aus den Verbandskommunen etwas bepflanzt. Ansonsten setzt man auf die natürliche Entwicklung von Flora und Fauna (Sukzession).

Eine Einzäunung soll missbräuchliches und störendes Befahren des Hügels verhindern. Besucher, Naturfreunde, Wanderer und Spaziergängen können und sollen den Hügel begehen, die Natur erleben, und die Aussicht genießen. Eine kleine Sitzgruppe lädt zum Verweilen ein.
Seither präsentiert sich diese „Mahd“ samt dem feinen Biotop am Fuße des Hügels als schlichtes, begehbares Natur-Objekt, das neben Libellen, Schmetterlingen, Fasanen, Reihern und zum Beispiel Rebhühnern, die hier anzutreffen sind, in der üppigen Vegetationsperiode allerdings auch eine Besonderheit vorweisen kann: weidende Wallisische Schwarzhals-Bergziegen. Sie gelten als neugierig, leb- und naschhaft und als ausgesprochen schlau. Landschaftspflege in Vollendung.

Blick vom Porschehügel Foto: Walter Christ

Der "Himmelsteich" Foto: Walter Christ

Frisch planiertFoto: Walter Christ